Neujahrsempfang der AWO Westliches Westfalen im Dortmunder Depot

v.l.: Michael Scheffler, Franz Müntefering, Dr. Gerd Bollermann und Wolfgang Altenbernd

„Menschen sind nicht allmächtig, aber auch nicht ohnmächtig. Wir können und müssen den Fortschritt organisieren." Klare Worte von Franz Müntefering zu den Herausforderungen des demographischen Wandels auf dem Neujahrsempfang der AWO Westliches Westfalen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete war Hauptredner der Traditionsveranstaltung, die dieses Jahr ganz im Zeichen der alternden Gesellschaft stand. Knapp 500 Gäste folgten der Einladung in die ehemalige Straßenbahnhauptwerkstatt im Dortmunder Norden, die heute ein Zentrum für Kunst, Kultur und Nachbarschaft ist.

Müntefering forderte vor haupt- und ehrenamtlichen AWO-Mitarbeitern sowie zahlreichen Vertretern aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Wirtschaft eine „Politik der Nachhaltigkeit, die nicht nur auf die aktuelle Legislaturperiode schielt". Der SPD-Politiker nannte gleich mehrere Themen, die es anzupacken gelte – darunter die altersgerechte Quartiersentwicklung in den Kommunen, den systematischen Ausbau von Palliativ- und Hospizdiensten sowie die Professionalisierung der Pflege. „Pflegen ist ein Handwerk. Man muss es können." Und: „Wir brauchen gut qualifizierte Hauptamtliche, aber auch Beratung und Hilfe für Ehrenamtliche."
Doch ist der demographische Wandel, so betonte Franz Müntefering, nicht nur eine Seniorenfrage. Wer die Weichen für Morgen richtig stellen wolle, müsse bei den Jüngsten anfangen: „Junge Menschen brauchen Rahmenbedingungen, die sie zuversichtlich in die Zukunft schauen lassen und dazu ermuntern, eine Familie zu gründen", verlangte der erfahrene Sozialpolitiker. Zudem gelte es, frühkindlicher Förderung und Bildung höchste Priorität einzuräumen – und dabei gerade die Familien zu unterstützen, die aus eigener Kraft den Kindern nicht helfen können.
In die Pflicht nimmt Müntefering dabei auch die Senioren von heute und morgen. Denn der verlängerte „Ruhestand in Gesundheit" dank steigender Lebenserwartung werfe auch die Frage auf, wie man mit den gewonnenen Jahren umgehe. „Mit der Zeit, die wir haben, kann man viel machen", so der 73-jährige und nennt die Übernahme einer Patenschaft für einen jungen Menschen als ein Beispiel für mögliches Engagement.

Das Miteinander der Generationen als eine Voraussetzung für die funktionierende Gesellschaft der Zukunft war auch Thema in der Begrüßungsrede von Michael Scheffler, SPD-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Bezirks Westliches Westfalen. „Ich wünsche mir eine Politik, die mutig genug ist, die Lasten gerecht zu verteilen", betonte der Vertreter von rund 40.000 AWO-Mitgliedern, die in über 300 Ortsvereinen und 19 Kreisverbänden/Unterbezirken organisiert sind. Birgit Jörder, Bürgermeisterin der Stadt Dortmund, griff diesen Gedanken auf und dankte der AWO, „dass sie mit uns gemeinsam an dieser Zukunft arbeitet".

Der Neujahrsempfang, der musikalisch von der Münsteraner Band „Walking Blues Prophets" und dem Saxophon-Quartett „Blasfemin" begleitet wurde, schloss mit einer Talkrunde zum Thema, die von WDR-Moderator Tom Hegermann geleitet wurde. Gesprächspartner waren neben Franz Müntefering und Birgit Jörder der Geschäftsführer der AWO Westliches Westfalen, Wolfgang Altenbernd sowie die Trendforscherin Birgit Gebhardt, die mit ihrem Buch „2037 – Unser Alltag in der Zukunft" so manchen Denkanstoß gegeben hat. Dabei mahnte Wolfgang Altenbernd ebenso wie Franz Müntefering zum Handeln: „Der demographische Wandel ist schon da. Wir erleben ihn als AWO Tag für Tag."